Reisezeit
Januar – Februar 2026
Unsere Route
Nouadhibou – Erzbahn – Ben Amera – Atar – Tidjikja – Tichitt – Nema – Nouakchott – Banc d’Arguin
Gefahrene Kilometer
ca. 4.200 km (davon ein großer Teil Offroad)
Highlights
Grenzübertritt in die Sahara, Fahrt entlang der Erzbahn, Monolith Ben Amera, Elefantenfelsen, Wüstenkrokodile, Banc d’Arguin
Kulinarik
Selbstversorgung, Brot am Feuer, einfacher Fisch an der Küste, improvisierte Mahlzeiten unterwegs
Tipp
Mauretanien verlangt Vorbereitung und Gelassenheit. Gute Offroad-Erfahrung, ausreichende Vorräte und technische Selbstständigkeit sind entscheidend – genauso wie die Bereitschaft, Pläne jederzeit anzupassen.

Mauretanien – Durch die Weite der Sahara und an die Grenzen des Machbaren
Der Moment, in dem sich die Schranke hinter uns schloss, war mehr als nur ein Grenzübertritt. Es war der Übergang in eine andere Welt. Mauretanien empfing uns nicht mit Sehenswürdigkeiten oder klaren Strukturen, sondern mit Chaos, Hitze und einem System, das sich erst langsam erschloss. Zwischen Stempeln, improvisierten Abläufen und endlosen Wartezeiten wurde schnell klar: Hier funktionieren Dinge anders.
Doch genau das war der Anfang von etwas, das sich tief einprägt.
Schon die ersten Kilometer hinter der Grenze veränderten alles. Die Landschaft öffnete sich, wurde weiter, leerer, stiller. Straßen verschwanden, Orientierung wurde relativ, und das Gefühl von Entfernung bekam eine neue Bedeutung. Distanzen misst man hier nicht mehr in Kilometern, sondern in Zeit, Konzentration und Energie.
Ein erster Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: die Erzbahn. Parallel zu den Gleisen führte uns eine der eindrucksvollsten Offroad-Strecken der Reise durch das Land. Endlose Waggons, schwer beladen mit Eisenerz, zogen scheinbar lautlos durch die Weite – ein bewegliches Symbol für die Rohheit und Dimension dieses Landes. Wir fuhren durch Sand, über Schotter und entlang einer Infrastruktur, die gleichzeitig einfach und monumental wirkte.
Mit dem Monolithen Ben Amera erreichten wir einen Ort, der sich kaum beschreiben lässt. Mitten in der flachen, endlosen Ebene erhebt sich dieser gewaltige Fels – plötzlich, massiv und fast unwirklich. Die Stille dort ist besonders. Kein Verkehr, keine Geräusche, nur Wind und Weite. Wir blieben länger als geplant, fuhren mit dem Quad durch die Umgebung, entdeckten Kunstwerke im Stein und ließen die Zeit bewusst langsamer vergehen.
Doch Mauretanien wäre nicht Mauretanien ohne seine Herausforderungen.
Die Etappen Richtung Tidjikja und weiter nach Nema wurden zu einer echten Prüfung. Tiefsand, kaum erkennbare Tracks und immer wieder Passagen, die uns an die Grenzen brachten. Mehrfach gruben wir uns fest, schaufelten, legten Sandbleche, reduzierten Reifendruck und versuchten es erneut. Kilometer für Kilometer wurde zur Aufgabe. Tage, an denen 30 oder 50 Kilometer bereits ein Erfolg waren.
Dazu kamen die kleinen und großen Probleme unterwegs: Reifenpannen mitten im Nirgendwo, lockere Schrauben, Dieselthemen, improvisierte Reparaturen. Alles Dinge, die Zeit kosten – und Nerven. Doch genau hier verändert sich auch die Perspektive. Man lernt, langsamer zu werden. Geduld zu haben. Lösungen zu finden, statt sich über Probleme zu ärgern.
Zwischen all dem begegneten wir immer wieder Menschen. Nomaden, die scheinbar aus dem Nichts auftauchten, Kinder, die neugierig und offen auf uns zugingen, kleine Dörfer, die mehr Leben in sich trugen, als man auf den ersten Blick vermutete. Kommunikation funktionierte oft ohne gemeinsame Sprache – mit Gesten, Lächeln und gegenseitigem Respekt.
Ein besonderer Abschnitt führte uns weiter Richtung Sahelzone. Die Landschaft veränderte sich spürbar. Aus der reinen Wüste wurden langsam Büsche, vereinzelte Bäume, ein Hauch von Grün. Ein stiller Übergang, der zeigte, wie fragil und gleichzeitig faszinierend diese Regionen sind.
Mit Nema erreichten wir einen der östlichsten Punkte unserer Route – und gleichzeitig einen Ort, der uns noch einmal die Realität des Reisens vor Augen führte. Diesel war plötzlich knapp, Tankstellen leer, Planung nur bedingt möglich. Entscheidungen mussten spontan getroffen werden. Weiterfahren oder bleiben? Risiko oder Sicherheit?
Später, auf dem Weg nach Nouakchott, kehrte langsam wieder etwas Struktur zurück. Asphaltstraßen, Werkstätten, Versorgung. Nach Wochen im Sand fühlte sich selbst eine einfache Straße fast luxuriös an. In der Hauptstadt nutzten wir die Gelegenheit für Reparaturen, organisierten Ersatzteile und bereiteten uns auf den letzten Abschnitt im Land vor.
Mit dem Banc d’Arguin erreichten wir schließlich wieder die Küste. Nach all der Zeit im Landesinneren wirkte das Meer fast surreal. Flach, ruhig, weit – ein Ort zum Durchatmen. Noch einmal Sand unter den Rädern, aber diesmal anders. Weniger Kampf, mehr Ruhe.
Als wir Mauretanien schließlich verließen, war klar: Dieses Land hinterlässt Spuren. Nicht nur auf Reifen, Fahrzeug und Ausrüstung, sondern vor allem im Kopf.
Es ist kein einfaches Reiseziel. Es fordert, verlangsamt und konfrontiert einen mit Unsicherheiten. Aber genau darin liegt seine Stärke. Mauretanien zwingt einen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf das Unterwegssein selbst. Und vielleicht ist es genau das, was von dieser Etappe bleibt: das Gefühl, wirklich draußen gewesen zu sein.
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